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Dienstag, 16. November 2021

Über Menschen

 -Beitrag enthält Werbung/Produktplatzierungen-

"Über Menschen"
von Juli Zeh

erschienen am 22.03.2021
im Luchterhand Literaturverlag
der Penguin Random House Verlagsgruppe

als Hardcover
416 Seiten
ISBN: 978-3-630-87667-2
22,00 €

auch erschienen als E-Book

[Stand: 16.11.2021]

Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

Zum Inhalt (Quelle: Verlag):
Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht. 

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.

Meine Meinung:

Als ich  mich Juli Zehs "Über Menschen" zum ersten mal aktiv widmete, stand der Roman schon längere Zeit ganz oben in den Bestseller Listen. Ich gestehe, dass ich zwar von Juli Zeh schon gehört hatte, aber noch nie etwas gelesen. Als ich mir dann den Inhalt doch noch mal etwas genauer anschaute, wurde ich doch neugierig. Erster Roman, der die Corona Pandemie zeitlich und thematisch beinhaltet, auch die "Flucht" aufs Land, sprach mich an. Somit bewarb ich mich um ein Rezensionsexemplar und bin sehr froh, meinen ersten Juli Zeh Roman gelesen zu haben.

Da ich mich eher selten an Gesellschaftsromane traue und mich meistens an leichte Unterhaltungsromane oder Krimis, sowie Kinder- und Jugendliteratur halte, war ich doch sehr überrascht, wie leicht und flüssig der Roman geschrieben ist. Ich hatte unberechtigte Zweifel, ob ich wohl rasch genug in die Geschichte rein finden würde. Vom ersten Kapitel an war ich jedoch vom Schreibstil und vom Aufbau der Handlung, sowie der Zeichnung der Hauptfiguren überzeugt. Die Sprache ist sehr bildlich und man bekommt einen hervorragenden Eindruck von den jeweiligen Schauplätzen und Situationen. Die Kapitel sind angenehm kurz und mit einer passenden Überschrift betitelt. 

Dora als Protagonistin hat mich von Beginn an gehabt. Ich habe mich in so vielen Situationen einfach wiedergefunden. Sie stellt so viele Fragen, die einen zum Grübeln bringen. So oft wie ich mich mit ihr identifizieren konnte, so oft habe ich mich aber auch gefragt, ob ich ebenso gehandelt hätte. Ihre leicht widerspenstige Art mochte ich von Beginn an. In Juli Zehs Roman geht es jedoch nicht alleine um Dora, sondern vor allem handelt es "Über Menschen". 

"Wer sind die Guten und wer die Bösen? Dora weiß es nicht und will es auch nicht wissen. Sie findet, dass das eine sehr gefährliche Frage ist." Seite 28

Thematisch werden einige aktuelle Themen behandelt. Corona; die Zeit nach dem ersten Lockdown wird hier beschrieben und von Dora analysiert. Mich haben die Gedanken Doras an diese Phase sehr amüsiert und richtig gut unterhalten. Gleichermaßen erschreckt(e) und verwundert(e) mich jedoch auch das Verhalten vieler Menschen. Trotzdem kann ich mich auch da in Dora wiederfinden und nachvollziehen, dass man eigentlich gar nicht so genau weiß, in welche Schublade man genau gehört. Und genau dies ist auch eine wichtige Aussage des gesamten Buches. Es gibt nicht immer nur schwarz oder weiß, es gibt so viele Grautöne dazwischen.

"Lockdown, Shutdown, flattening the curve. Mortalität, Morbidität, Triage. Die Panik stieg, als wären Krankheit und Tod neu erfunden worden." Seite 25

Ein weiteres und auch umstrittenes Thema ist die Beziehung Doras zu ihrem Nachbarn Gote, dem Dorf-Nazi. Es wurde und wird heiß diskutiert, ob man einen Roman so schreiben, bzw. dieses Thema und diese Figur als Nazi in solch einer Form darstellen sollte. Meine Meinung dazu ist nicht so kritisch. Ich finde Doras Einstellung zu diesem Thema wird sehr deutlich und ist durchweg weiterhin sehr kritisch und skeptisch ihm gegenüber. Zunächst versucht sie auch den Kontakt so gering wie möglich zu halten. Gote ist aber eben auch nicht "nur Nazi". Er ist Nachbar, Vater, Schreiner, Ex-Mann, Freund, Gärtner, Patient und trägt ebenso wie jeder Mensch viele Facetten in sich. 

"Man kann Informationen drehen und wenden. Die Wahrheit bleibt dieselbe. Die Wahrheit lautet, dass es völlig egal ist, ob Dora geht oder bleibt. Weil Nazis nicht aufhören zu existieren, nur weil man nicht mehr neben ihnen wohnt." Seite 235

Auch der Klimawandel, bzw. Klimaaktivisten oder warum in Doras neue Heimat so viele die AfD wählen sind gesellschaftliche und aktuelle Themen die aufgegriffen werden.

Sprachlich und auch inhaltlich hat mich "Über Menschen" von der ersten Seite an überzeugt und macht Lust auf weitere Romane der Autorin.



Freitag, 26. April 2019

Wenn Donner und Licht sich berühren

  -Beitrag enthält Werbung/Produktplatzierungen-

"Wenn Donner und Licht sich berühren"
von Brittainy C. Cherry
Übersetzt von Katja Bendels

erschienen im LYX Verlag (2019)
der Bastei Lübbe AG

Paperback
12,90 €

375 Seiten

ISBN: 978-3-7363-0830-5

eBook (epub)
9,99 €
Hörbuch (Download) 
13,99 € 
Vielen Dank an den Verlag für das signierte Rezensionsexemplar. 

Zum Inhalt (Quelle: Verlag)

Sich in Jasmine Greene zu verlieben, fühlte sich an wie ein warmer Sommerregen. Leicht und unbeschreiblich schön. Aber als wir uns Jahre später wieder gegenüberstehen, ist von dem Sommerregen nichts mehr übrig. Stattdessen sehe ich in ihren Augen einen tosenden Sturm. Wie lange tobt er schon dort? Wie lange hat er sich schon in ihrer Seele zusammengebraut? Ihr Herz ist für immer gebrochen, und ich hasse mich dafür, dass ich es jetzt erst bemerke – wo es vielleicht schon zu spät ist.
Meine Meinung:
Ich habe tatsächlich Angst vor dem Tag, an dem mir ein Werk der Autorin mal nicht gefallen wird, aber momentan scheint dieser Moment noch sehr weit in der Ferne zu liegen. Ich kann es einfach nicht anders sagen: Ich liebe die Romane von Brittainy C. Cherry. Sie berühren mich so sehr und die Emotionen legen sich wie eine schwere Decke über meinen Körper. Sie ist eine Zauberin der gefühlvollen Worte und ich kann davon einfach nicht genug bekommen, auch wenn sie einem selbst das Herz brechen. Nun aber mal einige Worte zu "Wenn Donner und Licht sich berühren".

Das Cover ist mit seinen sanften Farben und der Abbildung des wolkigen Himmels sehr harmonisch gestaltet und gefällt mir sehr. Diese Harmonie aber auch das aufwühlende Gefühl findet sich auch in dem Roman wieder.
Im ersten Teil des Buches sind die Protagonisten Jasmine und Elliott noch in der Highschool und 16 Jahre alt. In dieser Zeit lernen wir die beiden schon sehr gut kennen und beide sind etwas ganz besonderes. Da der Roman in der Ich Perspektive und aus der Sicht von Jasmine (Jazz) und Elliott (Eli) geschrieben ist, werden die Gefühle sehr gut spürbar. Jazz und Eli haben es in ihrer Kindheit und Jugend aus verschiedenen Gründen beide nicht einfach und einige Entwicklungen und Erlebnisse haben mich ganz schön schlucken lassen. Trotzdem steckt in beiden noch so viel Liebe und die Musik nimmt hier einen hohen Stellenwert ein. Der zweite Teil spielt dann etwa sechs Jahre später.
  [...und mein Herz schlägt, weil du da bist.] Seite 305
Brittainy C. Cherry schafft es erneut mich mit ihrem Wortzauber zu vielen Tränen zu rühren und das Buch kann man wohl auf keinen Fall als leichte Kost anpreisen. Es ist traurig, schmerzvoll und manchmal auch so unfassbar ungerecht, aber auch schön und so voller Herz und Seele. Vergebung und Familie aber auch loslassen zu können und wieder man selbst zu sein sind unter anderem Thema dieses Meisterwerks.
[Aber mit dir ist es einfacher. Alles ist einfacher mit dir.] Seite 343
Ich finde es wunderbar, dass die Autorin so ein gefühlvollles New Adult Buch schreiben kann, welches ohne übertrieben viele erotische Szenen auskommt. Der Fokus liegt hier irgendwie woanders und macht die Bücher von Brittainy C. Cherry einfach so besonders. Für mich ein absolutes Seelenbuch und neben "Wie die Stille unter Wasser" gehört es bereits jetzt zu meinen Lieblingsbüchern. 

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