Sonntag, 2. Oktober 2022

Lügen über meine Mutter

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"Lügen über meine Mutter"
von Daniela Dröscher 

erschienen im 
Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG
am 18.08.2022

als Harcover 
448 Seiten
ISBN: 978-3-462-00199-0
24,00 €

und
Ebook | Hörbuch

(Stand: 02.10.2022)

Vielen Dank an Netgalley.de und den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Zum Inhalt (Quelle: Verlag):

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag.
»Lügen über meine Mutter« ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht?
Schonungslos und eindrücklich lässt Daniela Dröscher ihr kindliches Alter Ego die Jahre, in denen sich dieses  »Kammerspiel namens Familie« abspielte, noch einmal durchleben. Ihr gelingt ein ebenso berührender wie kluger Roman über subtile Gewalt, aber auch über Verantwortung und Fürsorge. Vor allem aber ist dies ein tragik-komisches Buch über eine starke Frau, die nicht aufhört, für die Selbstbestimmung über ihr Leben zu kämpfen. 
Meine Meinung:
(Achtung, kann Spoiler enthalten)
Deutscher Buchpreis 2022. "Lügen über meine Mutter" steht aktuell bereits auf der Short List für den deutschen Buchpreis 2022. Ich habe mir die nominierten Bücher der Longlist angeschaut und inhaltlich fand ich den Roman von Daniela Dröscher am ansprechendsten. Selbst ein Kind der 80er, lese ich gerne auch Bücher, welche in diese Zeitspanne fallen. Zudem spielte auch das Thema "Übergewicht" in meiner Kindheit eine Rolle, glücklicherweise nicht in einer solch erschreckenden und unangemessenen Ausprägung, wie im Roman beschrieben.
Kommen wir zur eigentlichen Rezension des Romans, welche zu verfassen, mir relativ schwer fällt.

Das Cover gefällt mir ganz gut, ist aber nicht so aussagekräftig und originell. Eher unspektakulär. 
Das Thema des Romans hat mich angesprochen, die Umsetzung jedoch hat mir leider nicht so gut gefallen. Dies hat verschiedene Gründe. 

Der Aufbau hat mir noch recht gut gefallen. Neben den Kapiteln, in denen wir aus Elas Sichtweise die familiären Probleme und ihre und die Geschichte ihrer Mutter erzählt bekommen, wurden auch nach fast jedem dieser Kapitel noch Gedanken und Ergänzungen von Ela als Erwachsene Person eingefügt. Der Schreibstil war unkompliziert, fast umgangssprachlich und auch mit Textstellen in Dialekt wurde nicht gegeizt. Viele Anspielungen auf die Kultur der 80er Jahre werden vor allem den jüngeren Lesern nichts sagen. Da ich selbst in dieser Zeit aufgewachsen bin, konnte ich mich doch auch in viele Situationen hineinversetzen und auch mit den für diese Zeit typischen kulturellen Dingen innerhalb des Romans zumindest etwas anfangen.

Die Autorin konnte mich mit der Erzählung zu Beginn doch recht gut in den Bann ziehen. Dies nahm leider mit jedem weiteren Kapitel immer mehr ab. Die düstere Grundstimmung und mein Unverständnis für viele der beschriebenen Handlungen bauten in mir eine Art Abneigung auf. In der Hoffnung auf eine positive Wendung blieb ich jedoch dran. Spannung ergab sich für mich lediglich daraus, zu erfahren, ob Elas Mutter den Absprung aus der patriarchalisch geführten und von Lügen überlagerten Ehe schafft. Die Gelegenheit wurde "verpasst" und das Ende lässt mich unzufrieden zurück. Für mich hat die Erzählung leider nicht wirklich eine positive Aussage. Mit dem tyrannischen Ehemann zusammen zu bleiben, bis die Kinder aus dem Haus sind, ist für mich nicht "die Lösung".  

Die Hauptfiguren konnte ich mir gut vorstellen, vor allem Ela, da aus ihrer Sichtweise geschrieben wurde. Da ihre Eltern lediglich aus ihrer kindlichen Version beschrieben werden, bleiben hier doch auch einige Fragen offen und viele Handlungen sind nicht nachvollziehbar. Was mir nicht gefallen hat, war auch, wie sehr das Kind in dieser Ehe instrumentalisiert wurde. Wie Vaters Einstellung zum Gewicht der Mutter sich auch auf die Tochter projiziert. Wie auch Ela das Essverhalten ihrer Mutter anfängt zu hinterfragen und kritisieren. Welches Bild von einer "angemessenen" Körperstatur Ela bereits vermittelt wurde. 
Mir ist bewusst, dass diese Dinge passieren, auch in anderen Kontexten, aber für einen Roman war mir die Stimmung insgesamt zu negativ. Auch eine positive Wendung habe ich vermisst.
Zudem habe ich mich beim Lesen auch gefragt, ob die beschriebenen Gedanken von Ela tatsächlich altersgemäß sind. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass ich selbst teilweise so gedacht hätte oder viele andere Kinder in diesem Alter so weitgreifende Beobachtungen und Deutungen von Verhaltensweisen vornehmen.
Für mich war der Roman leider insgesamt mit zu vielen (selbst-)zerstörerischen und wiederkehrend abschreckenden Ereignissen durchzogen.

Wen eine negative Stimmung in der für die 80er Jahre nicht unvorstellbaren Geschichte nicht abschreckt; wer Eintauchen will in die patriarchalische Familiengeschichte im ländlichen Umfeld, der kann mit diesem Roman glücklich werden. 


Cover und Illustration              
2,5 / 5
Story  
4 / 5
Aufbau und Schreibstil 
4 / 5
Spannung und Lesefluss
2 / 5
Hauptfigur /-en
2 / 5
Emotionen  und Stimmung
1 / 5










Mittwoch, 31. August 2022

Lesemonat August 2022

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Heute möchte ich euch meine gelesenen Bücher des Monats August 2022 vorstellen. Meine Bewertung der Bücher und einige Stichworte zu meinen Eindrücken beim Lesen folgen in diesem Beitrag.
Der Monat August ist geprägt von Vielseitigkeit, sowohl beim Genre, als auch bei der Länge der Bücher. Ich habe einige Bücher von meinem SuB gelesen und bin darauf ganz stolz - vor allem, da in diesem Monat auch "nur" zwei neue Bücher (davon ein Kochbuch) hinzu gekommen sind.

Gestartet in den Monat August bin ich mit 
"Wind Rider" von P.C. Cast erschienen bei S. Fischer Verlage
Band 3 einer Reihe - Gefährten einer neuen Welt - Jugendbuch - Dystopie - Naturverbundenheit - starke Verbindung zur Natur und Tieren - spirituell - starke Haupt- und Nebenfiguren - richtig fieser Antagonist- dicker Wälzer - ich hoffe auf noch mindestens einen Abschlussband der Reihe - für Fans der oben genannten Themen und Hang zu Fantasy einen sehr schöne Reihe 

Cover und Illustration              
3 / 5
Story  
5 / 5
Aufbau und Schreibstil 
5 / 5
Spannung und Lesefluss
4 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
4 / 5


"Der Insasse" von Sebastian Fitzek erschienen bei Droemer Knaur 
Thriller - Spannung pur - Wendung hat mich überrascht - super Setting - konnte ich kaum aus der Hand legen - Täter und die Tat sind jedoch sehr grausam - nichts für zart Besaitete - klare Leseempfehlung für Psychothriller-Fans

Cover und Illustration              
3 / 5
Story  
4 / 5
Aufbau und Schreibstil 
5 / 5
Spannung und Lesefluss
5 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
4 / 5



"Acht Berge" von Paolo Cognetti erschienen in der Penguin Random House Verlagsgruppe
Roman - wunderschönes Cover - Bergwelt Italiens - Freundschaft - Liebe - Familie - Glück - grandioses Setting - malerische Sprache - Selbstfindung - sehr angenehm, ruhig, erzählt - durch die Länge von 272 Seiten lässt es sich relativ schnell lesen - die Tiefgründigkeit und Schwere zwischendurch erfordert aber auch Pausen
Cover und Illustration              
5 / 5
Story  
5 / 5
Aufbau und Schreibstil 
4 / 5
Spannung und Lesefluss
3 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
5 / 5


"Summer of Hearts and Souls" von Colleen Hoover erschienen bei dtv 
New Adult - 320 Seiten - fesselnder, schnell zu lesender Schreibstil - sehr emotional - geheimnisvoll - Setting täuscht, es geht um viel mehr als Sommer, Sonne und Strand - zweite Chancen - arm/reich - Herkunft - Drogen - Existenzängste - Liebesgeschichte - Taschentücher bereit legen - plötzlicher Plottwist

Cover und Illustration              
4 / 5
Story  
4 / 5
Aufbau und Schreibstil 
5 / 5
Spannung und Lesefluss
5 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
5 / 5


"Kosmetik des Bösen" von Amelie Nothomb erschienen bei Diogenes
Roman - Dialog - Setting Flughafen - kurzweilig und schnell gelesen mit 112 Seiten - sofort drin - skurril - böse, schockierend und beängstigend - ähnlich wie das Neugierverhalten bei einem Unfall, man will nicht hinsehen, macht es aber doch - anders als beim Unfall wird man hier jedoch dafür belohnt, dran zu bleiben - Ende hat mich überrascht und fasziniert - Schreibstil und Story mal so ganz was Anderes - psychologisch reizvolle Lektüre

Cover und Illustration              
2 / 5
Story  
4 / 5
Aufbau und Schreibstil 
4 / 5
Spannung und Lesefluss
3 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
3 / 5

Sonntag, 14. August 2022

Wie die Ruhe vor dem Sturm

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"Wie die Ruhe vor dem Sturm"
von Brittainy C. Cherry

erschienen bei 
LYX / Bastei Lübbe AG
Ersterscheinung: 29.06.2020
Paperback 

auch erschienen als 
E-Book | Hörbuch
New Adult
440 Seiten

ISBN: 978-3-7363-1279-1


Zum Inhalt (Quelle: Verlag):

Grey hatte Spuren in meinem Herzen hinterlassen. Und ich hoffe so sehr, dass ich auch welche in seinem hinterlassen habe

Als ich meinen neuen Job als Nanny einer reichen Familie antrat, ahnte ich nicht, dass es Greysons Kinder waren, die ich betreuen würde. Und auch nicht, dass aus dem Junge, den ich einmal geliebt hatte, ein Mann geworden ist – ein eiskalter, einsamer, unnahbarer Mann. Greys Lachen ist verschwunden. Alles an ihm ist in Schmerz versunken. Doch ab und zu erkenne ich noch den Jungen von damals in seinen sturmgrauen Augen – und ich weiß, dass es sich um ihn zu kämpfen lohnt.


Meine Meinung:
Brittainy C. Cherry ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Kaum eine/r schafft es wie sie mit wenigen und unkomplizierten Worten eine Stimmung und Emotion so berührend und bewegend rüberzubringen. Bei jedem ihrer Werke habe ich schon so einige Tränen verdrückt, ob aus Freude, Mitgefühl oder Leid.
Mit "Wie die Ruhe vor dem Sturm" gelang ihr dies erneut.

Zunächst mal zum Cover, welches mir wieder sehr gut gefällt. Es ist auch recht schlicht gehalten, aber optisch trotzdem sehr ansprechend. Die Farben, die Libellen und die leicht stürmischen Farbverläufe passend sehr gut zum Buch.

Mit der Geschichte um Ellie und Greyson (genannt Grey) hat die Autorin das Rad jetzt nicht neu erfunden. Die Geschichte Nanny und reicher, alleinstehender Vater kennt man ja schon aus der gleichnamigen Serie und sicherlich auch noch aus weiteren Büchern oder Filmen und spricht mich eigentlich gar nicht so wirklich an. Brittainy C. Cherry hat es aber auch wieder zu etwas ganz Eigenem und einer bewegenden Story gemacht.

Das Buch ist gegliedert in zwei Teile. Der erste Teil spielt in der Jugend der Protagonisten. Ellie leidet unter der Krankheit ihrer Mutter und Grey ist für sie da. Unterstützt und begleitet sie in ihrer schwersten Zeit, vor und nach dem Tod ihrer Mutter, auch wenn zwischenzeitlich Entfernung den Kontakt erschwert. Er gibt ihr die Möglichkeit zwischen all der Trauer und belastenden Themen ein wenig Jugendlichkeit und Abstand zu gewinnen und Schönes zu erleben. 
Dieser erste Teil hat mich sehr gefesselt und auch emotional sehr gepackt. Ich habe diesen Teil auch in einem durch gelesen und fast ständig geweint. Bei einem Buch, von dem ich Emotionalität erwarte, wünsche ich mir das genau so, auch wenn es hart war.

Der Zweite Teil spielt ungefähr 16 Jahre später. Ellie und Grey haben sich aus den Augen verloren und durch Zufall kreuzen sich ihre Wege wieder. Als Nanny und verwitweter Vater von 2 Mädchen.
Ellie bekommt den Job als Nanny und versucht für Grey in seiner Trauer um die verstorbene Frau ebenso da zu sein, wie er damals für sie. 
Dieser zweite Teil der Geschichte hat mich leider nicht mehr so sehr gefesselt wie das erste Drittel. Einige Klischees werden bedient, vieles ist vorhersehbar. Leider vollzieht sich auch der Wandel der Nahbarkeit einiger Figuren für meinen Geschmack zu plötzlich.

Der Schreibstil der Autorin bringt es jedoch mit sich, dass es trotzdem ein Genuss ist dieses Buch zu lesen. Emotionen, die Trauer und Verluste, Wut und Schuldgefühle aber auch Zweifel kommen bei mir als Leserin immer an und es fiel mir leicht mich in die Szenen hineinzuversetzen. Auch die Nebenfiguren gefallen mir sehr, fast besser als die Protagonisten. Lorelai, Greysons Tochter, oder seine Schwiegermutter Claire, gefielen mir sehr. Auch Shay und Landon fand ich als Nebenfiguren interessant. Daher habe ich mir auch direkt den Folgeband der Chances-Reihe bestellt, in dem Shay und Landon die Hauptfiguren sind.

Der zweite Teil des Romans hat das Gesamtergebnis etwas geschmälert, insgesamt ist es jedoch wieder ein sehr emotionales Werk von Brittainy C. Cherry. Leider mit etwas mehr Klischees und Vorhersehbarkeit als gewohnt.

Cover und Illustration              
4 / 5
Story  
3 / 5
Aufbau und Schreibstil 
5 / 5
Spannung und Lesefluss
3 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
5 / 5




Dienstag, 12. Juli 2022

AMSEL (Strähnchen und der Killer Band 1)

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Amsel (Strähnchen und der Killer | Band 1)
von Georg Bruckmann

Selfpublishing
erhältlich bei amazon
E-Book | gebundene Ausgabe | Taschenbuch

Vielen Dank an den Autor Georg Bruckmann für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


Zum Inhalt (Quelle: Autor):
 
Ermittler. Saboteur. Spion. Mörder.
Seine Feinde würden wohl entweder das Wort Krimineller oder Verräter benutzen, um ihn zu beschreiben. Je nachdem, auf welcher Seite des Gesetzes sie sich befinden.
Der zwielichtige Problemlöser Robert Capou wird engagiert, um einen verschwundenen Enthüllungsjournalisten zu finden. Schnell wird Capou klar, dass er sich mit einem äußerst gefährlichen Gegner angelegt hat, der bereit ist, alles zu tun, damit seine Verbrechen niemals ans Licht kommen.
Während sich Capou mit menschlichen Abgründen und einem Schatten aus seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert sieht, hat die junge Elli alles satt. Die Schule, die suchtkranke Mutter - einfach alles. Ein traumatischer Übergriff treibt das eigenwillige Mädchen dazu, seinem Zuhause ein für allemal den Rücken zu kehren. Elli begibt sich auf einen gefährlichen Pfad, von dem eine Rückkehr nahezu unmöglich ist.


Elli und Capou - bis auf einen zufälligen Zusammenstoß verbindet diese beiden Menschen, diese beiden Welten rein gar nichts. Aber das wird sich noch auf dramatische Art und Weise ändern!

Meine Meinung:
Das Cover zu "Amsel" passt zum Titel und es deutet auch optisch auf einen Thriller hin. Mir gefällt es ganz gut, wenngleich es auch nicht besonders aus der Thriller-Cover-Landschaft hervortritt.
Dass die Amsel auch mit der Geschichte Robert Capous zu tun hat, erfährt man im Laufe des Romans. 

Die Geschichte um Capou und Elli, welche in diesem ersten Band einer Reihe noch nebeneinander her verläuft, baut sich langsam auf, hat aber mich aber von Beginn an in den Bann gezogen. Beide Teile des Romans haben von Anfang an Spannungsanteile, die sich gerade vor Kapitelende so aufbauen, dass ich als Leserin, immer das Bedürfnis hatte weiter zu lesen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge. Auch der Roman ist kurzweilig und kann rasch gelesen werden.

Der Schreibstil ist unkompliziert und direkt. Ich konnte mich immer gut in die einzelnen Figuren und "Szenen" hineindenken und mitfühlen.
Mein Lesefluss und die Spannung wurde durch die Kapitellänge, die Cliffhanger am Ende der Kapitel und die Abwechslung der Schauplätze positiv beeinflusst. Hier steht Georg Bruckmann bekannteren Thriller-Autoren in nichts nach.
Das Ende wurde mir allerdings zu schnell abgehandelt, hier gibt es einen kleinen Punkteabzug, da ich vom Rest der Story mit mehr detailtreue verwöhnt war.

Die Emotionen der Hauptfiguren sind einem Thriller gemäß gut rübergebracht worden. Man lernt die Figuren nach und nach kennen und erfährt auch einiges aus ihrer Vergangenheit, hierdurch bekommt man einen guten Bezug zu den Protagonisten. Die Grundstimmung ist relativ düster, so wie man es für einen Thriller auch erwartet, jedoch nicht so extrem, dass sich diese Stimmung auf mich als Leserin übertragen hat. 

Mich hat der erste Band der Strähnchen und der Killer - Reihe neugierig auf mehr gemacht. Die Hauptfiguren sind mir schon jetzt ans Herz gewachsen und ich muss unbedingt wissen, wie es weiter geht.


Cover und Illustration              
3 / 5
Story  
4 / 5
Aufbau und Schreibstil 
3 / 5
Spannung und Lesefluss
5 / 5
Hauptfigur /-en
5 / 5
Emotionen  und Stimmung
4 / 5





Sonntag, 1. Mai 2022

Die Psychologin

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"Die Psychologin"
von Helene Flood

Übersetzt von Ursel Allenstein

erschienen im btb Verlag
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
am 11.04.2022

Paperback
384 Seiten
16,00 €
auch erhältlich als:
E-Book | Hörbuch

ISBN: 978-3-442-75897-5

(Stand: 01.05.2022)

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Zum Inhalt (Quelle: Verlag):
Die 30-jährige Psychologin Sara behandelt Jugendliche mit familiären Problemen. Sie und ihr chronisch überarbeiteter Mann Sigurd sind vor kurzem in ein Haus mit Blick über Oslo gezogen, dort befindet sich auch Saras Praxis. Als Sigurd zu einer Übernachtung bei Freunden aufbricht, ist das letzte, was sie von ihm hört, eine Nachricht auf ihrer Mailbox, dass er gut angekommen sei. Doch noch am selben Abend ruft Sigurds Freund an und teilt ihr mit: Er war nie dort. Hat Sigurd gelogen? Was ist geschehen? Plötzlich fühlt sich Sara in dem großen Haus mit seinen vielen noch unfertigen Zimmern unwohl. Als die Polizei erscheint und sie befragt, beginnt sie zu ahnen, dass der Schlüssel zu Sigurds Verschwinden in ihrer Erinnerung liegt. 
Je näher sie der Wahrheit kommt, desto schwerer fällt es Sara, die Kontrolle über ihr Leben zu behalten. Verliert sie, die gelernt hat, die Emotionen anderer Personen zu deuten, ihre so wichtige Intuition?
Meine Meinung:
Cover, Titel und Klappentext sprachen mich bei diesem Roman an. Der Schauplatz Norwegen war für mich auch noch reizvoll, da ich längere Zeit keinen skandinavischen Krimi oder Thriller mehr gelesen habe. 

Das Cover bildet das Gesicht einer Frau ab, mit einem auf mich sehr eindrucksvoll wirkenden Blick. Es passt sehr gut zu diesem Roman und spiegelt auch schon ein wenig die Stimmung und Eindrücklichkeit dieses Thrillers wieder.

Die Story war sehr gut ausgetüftelt und allein das Szenario, wenn man sich mal vorstellt es selbst zu erleben, ist schon sehr erschreckend und beängstigend. 
Der Roman ist komplett aus der Sichtweise der Protagonistin Sara geschrieben. Sara selbst hat keinen Einblick in die Ermittlungen, daher hat auch der Leser selbst keine Ahnung, in welche Richtungen die Kriminalbeamten ermitteln und welche Erkenntnisse sich daraus ergeben. Uns bleibt also lediglich Sara und ihre eigenen Gedanken und auch ihre später folgenden eigenen "Ermittlungen".

Die 384 Seiten werden verteilt auf ca. 15 Kapitel, die zumeist einen kompletten Tag beinhalten. Sie sind unterschiedlich lang, für meinen persönlichen Geschmack, manchmal zu lang. Zwischen den Kapiteln bekommt der Leser für ein paar Seiten einen Einblick in die Vergangenheit Saras und Sigurds. 

Der Schreibstil von Helene Flood ist angenehm flüssig. Der Mittelteil des Romans kommt einem jedoch beim Lesen etwas zäh vor. Inhaltlich werden hier jedoch auch wichtige Details erzählt, was einem aber teilweise leider erst zum Ende des Thrillers klar wird.
Insgesamt ist es ein unaufgeregter und ruhiger aber trotzdem spannender Erzählstil. Die Spannung wird nicht durch brutale Details erzielt, sondern vielmehr durch die psychisch belastenden Ereignisse, die Selbstzweifel, das verschwimmen der Erinnerungen und das Unwissen.

Mit Sara bin ich nicht so richtig warm geworden. Insgesamt wirkt sie sehr kühl und kontrolliert. Zum Roman und seiner Grundstimmung passt dies sie aber wirklich gut. 

Wenn man von den kleinen längen im Mittelteil absieht, hat mich "Die Psychologin" wunderbar unterhalten, mit fiebern und mit rätseln lassen. Die kühle, bedrückende Stimmung dieses nordischen (Psycho-) Thrillers zieht sich durch den kompletten Roman. Das Ende hat mich absolut überrascht und begeistert.

Cover und Illustration              
4 / 5
Story  
5 / 5
Aufbau und Schreibstil 
4 / 5
Spannung und Lesefluss
3 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
4 / 5

 



Montag, 4. April 2022

Boy meets Girl

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"Boy meets Girl"
von Julia Holbe

erschienen im Pernguin Verlag
der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
21. März 2022

Hardcover
288 Seiten
20,00 €
auch erhältlich als E-Book oder Hörbuch

ISBN: 978-3-328-60180-7

(Stand: 04.04.2022)

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Zum Inhalt (Quelle: Verlag):

»Boy meets Girl« – mit diesem Satz kann alles anfangen, jede mögliche Geschichte nimmt von hier aus ihren Lauf. Auch für Nora verändert eine kurze Begegnung ihr ganzes Leben.

Plötzlich steht sie vor der Erkenntnis, dass sie schon viel zu lange nur eine Besucherin in ihrem eigenen Leben war. Der Schmerz über das Scheitern ihrer Ehe und die wachsende Hilflosigkeit ihres alternden Vaters setzen in ihr endlich den Wunsch zur Veränderung frei.

Als sie Gregory trifft, spürt sie, dass das Leben noch etwas anderes bereithält – und doch fehlt ihr etwas, das sie nicht greifen kann. Dann begegnet sie Yann wieder, einem Freund aus alten Tagen, den sie fast verloren glaubte.

Julia Holbe erzählt von den kleinen Momenten, die ein ganzes Leben verändern, und fängt dabei diesen magischen Augenblick ein, in dem sich Zweifel und Ängste in Hoffnung verwandeln, und etwas Neues beginnt. »Boy meets Girl« ist ein Roman wie ein französischer Film: leichtfüßig, tiefgründig und nachklingend.

Meine Meinung:
Titel und Klappentext haben mich neugierig gemacht. Liebe, Beziehungen und ein Neuanfang, nach ein paar etwas schwermütigeren Romanen, brauchte ich jetzt etwas mehr positive Energie. Das Cover gefällt mir richtig gut. Farben, die Einfachheit und die Abbildung passen perfekt zum Inhalt.

Der Roman wurde komplett aus Sicht der Protagonistin Nora geschrieben. Wir erfahren als Leser*innen daher sehr umfangreich, ihre Gedanken und Gefühle zu den Ereignissen. Nora als Paartherapeutin gerät selbst in ihrer Ehe an einen Punkt, an dem sie sich entscheidet, ebendiese zu beenden. Nachdem ihr Mann Paul sie zum wiederholten Mal betrogen hat.
Mit der Trennung und den Folgen umzugehen, fällt ihr nicht leicht. Obwohl ihr tägliches Brot darin besteht, Paaren bei ihren Beziehungsproblemen zur Seite zur stehen, scheint die Anfang 50-jährige selbst so in die Trennung hinein zu leben. Das Verschwinden ihres Mannes auf eine längere Dienstreise, kommt dann auch gelegen. Insofern muss sie sich auch zunächst den Problemen und den Zukunftsplänen gar nicht stellen.
Stattdessen lernt sie den jüngeren Gregory zufällig bei einem Einkauf kennen. Sie lässt sich recht schnell auf eine Affäre mit ihm ein. Dann begegnet sie Yann, den sie aus ihrer Studienzeit kennt und seit dieser Zeit auch nicht mehr gesehen hat. Beide haben ihr eigenes Leben gelebt. Nun verläuft es wieder parallel.

Die Story um Nora, Gregory und Yann verläuft recht sachte. Man erfährt nach und nach immer mehr Details auch aus der gemeinsamen Vergangenheit von Nora und Yann. 
Lou ist die beste Freundin von Nora und ihre persönliche Beziehungsratgeberin. Mir gefällt diese Nebenfigur sehr gut, da sie eine sehr positive Energie ausstrahlt. 

Die Kapitel sind unterschiedlich von der Länge her, aber nie zu lang. Julia Holbe benutzt relativ häufig die wörtliche Rede. Ich habe das als recht erfrischend und angenehm empfunden; konnte mich immer gut in die Situationen hineinversetzen. Einzelne Szenen werden recht anschaulich und ausschmückend erzählt, wurden aber für mich nie langweilig. Mir hat es Spaß gemacht, so tief in die Szenen einzutauchen. Vor meinem inneren Auge waren die Schauplätze immer deutlich zu sehen. 
"Boy meets Girl" vermittelt mir eine gewisse Ruhe und Gelassenheit; Spannung im herkömmlichen Sinne, sucht man vergebens. Das Buch lebt von seiner Einfachheit und Gelassenheit, und hat dadurch bei mir eine ganz andere Erfahrung von Spannung ausgelöst denn ich wollte trotzdem zu jeder Zeit wissen, wie es weitergeht.

Nora als Protagonistin wirkt Jünger als sie ist. Die Beschreibung der Beziehung zu ihren Eltern und der Umgang mit den Beiden hat für mich einen ehrlichen und authentischen Aspekt reingebracht. Das Älterwerden der eigenen Eltern und auch das einhergehende Verhalten miteinander ist ein Thema, über das man sich sicherlich streiten kann, aber ich glaube auch dies ist so individuell wie wir Menschen, daher kommt mir gerade dieser Part des Romans auch sehr echt rüber.

Was mir etwas gefehlt hat, war der Kontakt von Nora zu ihrer Tochter, die so meint man doch, auch bei einer plötzlichen Trennung der Eltern zumindest eine kleine Rolle einnehmen würde. Franny taucht jedoch erst recht spät aus anderem Anlass auf, und dies auch nur sehr kurz. 

Ich mochte es Noras Gedanken und Erlebnisse zu begleiten. Es geht um Glück im Allgemeinen und in Beziehungen und ob auch eine große Portion Alltag in einer Beziehung glücklich machen kann. Sich selbst kennenzulernen, auszuhalten und auch das alleine sein zu genießen, aber auch aus dem Bauch heraus zu handeln und sich für etwas zu entscheiden, von dem man merkt, dass es einem gut tut.

Das Ende kam dann doch recht kurz und plötzlich. Die Liebe fängt quasi da an, wo das Buch aufhört. So bleibt den Leser*innen genügend Freiraum für eigene Spekulationen.

Wem entscheidungsunfreudige Protagonisten zuwider sind, der sollte die Finger vom Buch lassen.
Von mir eine klare Leseempfehlung für alle die, die mal eine etwas andere Liebes- und Lebensgeschichte mit einer sehr positiven Stimmung und Energie lesen möchten. 


Cover und Illustration              
5 / 5
Story  
4 / 5
Aufbau und Schreibstil 
4 / 5
Spannung und Lesefluss
4 / 5
Hauptfigur /-en
4 / 5
Emotionen  und Stimmung
4 / 5